Meine Geburt war sehr angenehm für mich. Die folgenden Jahre waren auch erstaunlich frei von Verpflichtungen. Vom Kindergarten bis zur Schule war ich ein sehr schüchternes Kind.
Ich hatte nie wirklich Freunde, im Unterricht habe ich mich nie gemeldet und wann immer ich doch etwas sagen musste, habe ich so leise geredet, dass man gerade mal von der leichten Bewegung meiner Lippen erkennen konnte, dass ich vor hatte, ein Geräusch von mir zu geben. Mit Anderen getroffen habe ich mich fast nie.
Als ich mit der 5. Klasse von der Grundschule aufs Gymnasium gewechselt bin, hat sich für mich vieles verändert. Wegen dem Sprachfokus der Schule musste ich Russisch lernen, was mir ab der ersten Unterrichtsstunde keinen Spaß gemacht hat.
Durch den Leistungsdruck, Einsamkeit und einem Fehlen von jeglichen Hobbys, war es normal geworden dass ich mich zu Hause an vielen Tagen bloß in einer winzigen Ecke hinter einem Schrank in meinem Zimmer versteckt und geweint habe. Ich weinte mehr als ich es je wieder tun würde.
Glücklicherweise kann ich davon berichten, wie ich in meiner Schullaufbahn sowohl Hölle wie Himmel gesehen habe. Mit 13 war ich so oft versetzungsgefährdet, dass meine Mutter auf die „Freie Montessorischule“ gestoßen ist.
Noten wurden ersetzt von Themenabschlüssen. Man konnte Themen nach eigenem Ermessen grundlegend, fortgeschritten, oder erweitert abschließen. Auf der Montessorischule gab es für niemanden Hausaufgaben.
Als ich anfing diese Schule selber zu besuchen, merkte ich, wie ihre größte Stärke darin lag, dass Schüler innen ihre eigene Persönlichkeitsentwicklung als Voraussetzung dafür sahen, mit dem Lernen anzufangen.
Das Skelett, das alleine von mir zurückgeblieben war, wurde in dieser freien Lernumgebung auf eine magische Weise mit einem neuen Menschen bestückt. Erstmalig habe ich gute Freunde gemacht und bin umgekehrt ein guter Freund geworden.
Plötzlich hat sich in mir ein unbremsbarer Wachstumswille ergeben. Wie ein Oktopus habe ich in allen Richtungen nach Wissen gegriffen. Kreativität und Hobbys waren vom Unterricht nicht mehr getrennt, sondern wurden von ihm gefördert.
In der sogenannten „Großen Praktischen Arbeit“ verbrachte ich 6 Wochen damit eine Drohne zu bauen. Als Klassensprecher habe ich mich eingesetzt und das Montemeeting selber vor etwa 150 Schüler innen moderiert, worauf ich sehr stolz bin.
Da die Freie Montessorischule nur bis zur 10. Klasse ging, war ich gezwungen die Schule zu wechseln und entschied mich für die Evangelische Schule Berlin Zentrum (ESBZ). Dort gab es leider wieder nur Frontalunterricht.
Der Stressrausch hat neu angefangen, sodass ich an einem Tag zur Straßenbahn gerannt bin und ein Auto mir über den Fuß gefahren ist. Ich habe den Tag im Krankenhaus verbracht und alle Probleme waren gleich am Morgen schon verschwunden. Das war mein schönster Schultag an der ESBZ.
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